Careliner m: Pferd und Reiter wohl versorgt

Von Doris Jessen, geschrieben am 14.04.2016

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Careliner2__2_von_10_.jpgEr hatte einen fulminanten Start auf der Equitana 2015 und heimste im selben Jahr so manche Auszeichnung ein, der neue Vollpolyester-Pferdeanhänger Careliner m des Emsdettener Kunststoffspezialisten Bücker: Reddot Award fürs Design, Pferd&Jagd Innovations- und Leser-Preis. Seine beiden Innovationen sind zum einen das moderne, leicht wirkende Design, zum andern und - wohl noch wichtiger – das durchgehende Polyesterkonzept, das auch in den Seitenwänden und an der Heckklappe ohne stabilisierende Holzplatten auskommt und daher unverrottbar sein soll. Anfang 2016 haben wir ihn zwei Monate im Test gefahren und waren vom Handling und Fahrverhalten positiv überzeugt.


Ohne Zweifel ein „Hingucker“: Durch das „integrale Flächenkonzept“ wirkt der Careliner wie aus einem Guss, besonders dann, wenn Haube und Aufbau wie beim Testanhänger einfarbig sind. Und tatsächlich hat sich Bücker für das Design hier etwas Neues einfallen lassen. Denn im Gegensatz zur Mehrzahl der Pferdeanhänger, die aus einem etwa 1,50 bis 1,60 m hohen Aufbau und einem darauf gesetzten Dach bestehen, ist dieser beim Careliner rund zwei Meter hoch. Die am Heck ganz leicht nach oben geschwungene Haube ist im Frontbereich bis auf etwa 1,50 m herunter gezogen. Trotz dieser Optik ergibt sich selbst im Pferdekopfbereich eine Innenhöhe von 2,39 m. Damit gehört das Fahrzeug zu den höchsten im Wettbewerbsumfeld.

Flottes Design

Careliner2__9_von_10_.jpgIn der Seitenansicht unterstreichen die zwei gegeneinander angeordneten halbrunden und an den Ecken spitz zulaufenden dunklen Dreiecke – das eine bildet das Fenster, das andere ist lediglich ein Designelement – den aerodynamisch-flotten Schwung. In den beiden Kunststoffkotflügeln findet sich diese Form angedeutet ebenso wieder wie in der flachen Griffmulde an den Türklinken zur Sattelkammer und Inspektionstür. Das i-Tüpfelchen sind bei einem so schicken Fahrzeug natürlich die optionalen 15-Zoll-Alu-Felgen (366 Euro), die man wie so vieles eigentlich nicht braucht, aber aus Eleganz-Gründen natürlich nicht missen möchte.

Careliner2__7_von_10_.jpgInsgesamt wirkt das gesamte Fahrzeug dadurch optisch schon fast federleicht und vor allem sehr elegant. Die Heckstreben aus verzinktem Stahl – wie die Heckklappe etwa 1,60 m hoch, sehr stabil und mit vertikal angeordneten Sichtschlitzen – bilden dazu einen fast ein wenig zu prominenten Gegensatz. Darin eingelassen und damit sicher „verpackt“ sind die Heckleuchten, so dass sich kein Huf darin verfangen kann. Darunter angeordnet finden sich zwei zusätzliche (und optional für 289 Euro bestellbare) LEDs, die als „Umfeldbeleuchtungssystem“ den Heckbereich taghell beleuchten und das Beladen bei Dunkelheit für Pferd und Mensch erleichtern. Die Innenbeleuchtung ist mit einem einfach zugänglichen Schalter ein- und auszuschalten. Damit der rückwärtige Verkehr den Anhänger auch gut sieht, gibt es eine dritte Bremsleuchte (98 Euro) in der Mitte der Dachhaube.

Hoch erhobenen Hauptes einsteigen

Careliner2__3_von_10_.jpgDer so gestaltete Aufbau hat neben der Optik vor allem einen praktischen Vorteil: Eine 1,90 m hohe Inspektionstür, die selbst hochgewachsenen Menschen das Ein- und Aussteigen ohne Bücken und Kopfeinziehen ermöglicht. Die clevere Idee dahinter ist die Integration des vergitterten Kippfensters in die Tür. Es lässt sich allerdings lediglich nach hinten aufklappen. Beim genaueren Hinsehen schließen die Fensterelemente im geschlossenen Zustand nicht ganz bündig mit der Korpus-Oberfläche ab, ein Schönheitsfehler, der bei den aktuellen Modellen bereits behoben sein soll.

Im Testmodell sorgte das große, leicht getönte und vergitterte Panoramafenster für viel Licht im Innenraum und ermöglichte den Pferden zudem den Blick nach vorne. Zu öffnen ist es nicht.

Die Inspektionstür hat eine Dreipunktverriegelung und außen eine angenehm griffige Aluminium-Klinke. Sie ist auch von innen mit einer Klinke zu öffnen, deren Öffnung nach unten an einem kleinen Kunststoffvorsprung endet, so dass kein Strick dazwischen geraten kann.

Careliner Planenlift_1.jpgDie Dachhaube ist bündig aufgesetzt und innen so perfekt laminiert, dass optisch kaum sichtbar ist, dass es sich hier um zwei Teile handelt. Geschlossen wird der Anhänger serienmäßig mit einem Planenlift, dessen Strippen allerdings bei schwungvollem Aufrollen im Inneren verschwinden. Das ist, so der Hersteller, Absicht, damit sich kein Pferd beim Einsteigen daran stört. Kleinere Personen müssen jedoch auf die zweite halbrund gestaltete Stufe des Auftritts klettern, um an die versteckte Strippe zu gelangen. Wäre der Anhänger in unserem Besitz geblieben, hätten wir eine kleine Zusatzschnur angebracht. Anstatt der blickdichten Plane gäbe es auch einen Netzlift (54 Euro).

Innovativ: Optionales Heck-Panoramafenster

Careliner_Heckklappe.jpgAlternativ gibt es seit März 2016 eine Heckklappe mit Panoramafenster und Lüftungsschlitzen, so dass auch im geschlossenen Zustand von hinten Licht und Luft ins Fahrzeug gelangt. Dieses praktische und zugleich formschöne Element, das im Testanhänger noch nicht eingebaut war,  schlägt allerdings als Zusatzausstattung mit 490 Euro zu Buche.

Unverrottbar

Neben dem Design hat sich Bücker aber für seinen Careliner noch ein anderes, anspruchsvolles Ziel gesetzt: Einen unverrottbaren Vollpolyester-Pferdeanhänger zu bauen, der – anders als die meisten Wettbewerbsprodukte bisher – keine in den Seitenwänden und der Heckklappe einlaminierten Holzplatten hat. Bücker setzt stattdessen auf eine GFK-Sandwichbauweise mit stabilem Kern, um die nötige Steifigkeit des Aufbaus zu sichern. Das für Windkraftrotoren bewährte Material verhindert zudem die Aufnahme von Feuchtigkeit. Damit kann kein Teil – der Boden besteht aus einer 21 mm starken Aluminium-Kunststoffplatte ebenfalls mit wasserabweisendem Kern – verrotten, selbst wenn sich auf lange Sicht Nässe an den Silikonnähten am Boden oder an den Bohrlöchern für die Befestigungen des Boxengestänges ins Material schleichen sollte. Wie lange das Konzept tatsächlich halten wird, kann in einem zweimonatigen Test nicht ergründet werden – das muss die Zeit bringen.

Gut geschützt

Careliner_Seitentrittschutz.jpgUm das Fahrzeug innen gegen unschöne Huf-Dellen zu wappnen, sind die Seitenwände und die Frontpartie zur Sattelkammer ist mit schwarzen, etwa 80 cm hohen Trittschutzplatten versehen, wobei der Schutz an der Sattelkammer mit 156 Euro bezahlt werden muss. Gerade bei großen Pferden, die gerne ungeduldig nach vorne scharren, ist dies sicherlich sehr sinnvoll, denn schon so mancher Huf hat diese relativ dünne Wand durchschlagen. Fürs bequeme Anlehnen haben die Pferde zwei dicke Seitenpolsterungen. Vorne lag im Testanhänger auch eine Verschleißmatte (105 Euro). Sie schützt den Boden, ist aber beim Ausspülen und Auskehren eher unpraktisch, weil Sand, Heu- und Futterreste – soweit die Pferde gefüttert werden – daran hängen bleiben.

Bequemer Einstieg

Careliner__20_von_27_.jpgDie Einstiegshöhe des Careliner m liegt bei rund 40 cm, was zusammen mit der 1,60 m langen Heckklappe einen sehr flachen Laufsteg ergibt, über den die Pferde auf Anhieb freiwillig einstiegen. Die Klappe ist mit einer griffigen Gummimatte mit Trittleisten versehen. Sie schließt sehr bündig mit dem Boden ab, so dass sich nicht einmal Stollen dazwischen verhaken können. Die Heckklappe hat vier Scharniere und stabile Streben, in denen auch die beiden Gasdruck-Hebehilfen sicher eingebettet sind. Geschlossen wird die Klappe mit den üblichen Haken, die etwas leichtgängiger sein könnten.

Auf dem Anhängerboden, wie schon erwähnt eine Sandwich-Platte aus Aluplatten mit Kunststoffkern, ist eine acht Millimeter dicke Gummimatte mit feiner Riffelung verklebt und an den Rändern versiegelt. Hier rutschen die Hufe nicht und sie ist zugleich relativ gut zu reinigen.


Die Brust- und Heckstangen sind klassisch gestaltet, vorne zweifach höhenverstellbar, hinten in Höhe und Länge. Die Ösen sind sehr groß, um auch dicke Stricke schnell durchfädeln zu können. Gesichert werden sie mit den bekannten Drahthäkchen. Vorbildlich: Die Panikentriegelung vorne und hinten. Zum Öffnen von außen kann der in der Sattelkammer vorhandene Besenstiel aus dem Besen-Schaufel-Set verwendet werden. Die Ösen bilden gleichzeitig ausreichend sichere Anbindemöglichkeiten für das Satteln im Gelände oder auf dem Turnier.

Die Mitteltrennwand aus stabilem, verzinktem Stahlrohr mit durchsichtiger PVC-Schürze ist vorne und hinten abgerundet und steht auch bei geöffneten Heckstangen sicher in der Verankerung.

Begrüßenswert: Mobile Futtertröge

Careliner__11_von_27_.jpgSo schön langsam setzt sich bei zunehmend mehr Modellen – so auch beim neuen Careliner m – die Tendenz zu mobilen Futtertrögen durch, die in der Sattelkammer einen festen Platz haben und nur bei Bedarf vorne an der Sattelkammerwand eingehängt werden. Die immer schmutzigen Futtermulden entfallen damit und das lästige Reinigen auch. Im Careliner m müssen die Pferde allerdings schon recht groß sein oder wenigstens lange Hälse haben, weil die Eimer standardmäßig relativ hoch hängen und die rechts stehende Quarter Horse Stute (Stockmaß ca. 1,60 m) große Schwierigkeiten hatte, mit Halfter und Strick, der typischerweise dann auch noch am Eimerrand hakt, an ihren Hafer zu gelangen. Auf Wunsch werden weiter unten zwei weitere Einhängeösen angebracht.

XL-Sattelkammer


Über die 73 cm breite und aus Designgründen leicht nach oben verlaufende Tür ist es gerade für Turnierreiter mit viel Gepäck eine echte Freude, die XL-Sattelkammer zu be- und entladen. Sie hat die gleiche Alu-Klinke wie die Inspektionstür, eine Dreipunktverriegelung und ist wie diese auch abschließbar. Wie bei nahezu allen anderen Pferdeanhängertüren dieser Art hakt der Schlüssel leicht.

Allerdings kostet der XL-Spaß gegenüber der Standardausführung 199 Euro Aufpreis. Dafür finden sich hier drei Sattelhalter, einer davon hat uns als Deckenhalter gedient. Im Bug gibt es zwei Regale für Helme, Sporen, Gamaschen, Anhängerschloss und anderen Kleinkram, darunter hängen die mobilen Futtertröge in ihren Haken. Die Kunststoff-Trensenhalter sind zwar formschön, allerdings haben Zaumzeuge mit rund- oder doppelt genähtem Leder und/oder Martingalriemen recht wenig Platz. Ein intelligentes Detail ist der Klemmhalter für Reitgerten, die sonst immer irgendwie im Wege stehen und umfallen. Vorbildlich sind auch der Spiegel, das Gepäcknetz an der Tür, Schaufel und Besen sowie drei Ablauflöcher im Sattelkammerboden, so dass man die Sattelkammer auch großzügig ausspülen kann.

Top-Fahrverhalten

Careliner__1_von_2_.jpgDer ganze Chic nützt aber nichts ohne gutes Fahrverhalten. Doch auch hier kann der Careliner m punkten, sowohl mit klassischen Gummifeder-Achsen mit Radstoßdämpfern als auch mit Schraubenfederfahrwerk nach Automobilstandard aus dem Hause Knott– hier als Body-Protect-Fahrwerk Plus bezeichnet – und für 575 Euro extra zu haben. Beide Versionen haben serienmäßig eine 100 km/h-Zulassung.

Der Unterschied – wir haben es mit jeweils einem unbeladenen Anhänger ausprobiert – ist vor allem auf ruppigem Untergrund, wie auf Dorfstraßen oder Kopfsteinpflaster vor allem in den neuen Bundesländern oder Zufahrten zu Turnierplätzen leider oft anzutreffen, durchaus spürbar.

Der Testanhänger fuhr auf dem luxuriöseren Fahrgestell und unsere Testpferde sind jedenfalls immer gelassen eingestiegen, standen ruhig und sind – zumindest optisch – entspannt wieder ausgestiegen.

Personen, die viel mit ihren Pferden auch auf Landstraßen unterwegs sind und ihren Tieren die Fahrten so angenehm wie möglich machen wollen, sollten den Mehrpreis durchaus in Betracht ziehen.

Fazit

Der neue Careliner m ist nicht nur ein auffallend formschönes Fahrzeug für Freunde glänzender Vollpoly-Pferdeanhänger. Es gibt ihn zudem in zahlreichen Farbkombinationen, von denen sicherlich eine zum Zugfahrzeug passt, wenn man dies möchte. Er punktet hinsichtlich seiner Unverrottbarkeit des Aufbaus und der Heckklappe, entsprechende Böden gibt es anderswo ebenfalls.

Das Fahrverhalten ist hervorragend. Mit einer unverbindlichen Preisempfehlung von knapp 10.000 Euro für die ordentliche Standardausstattung liegt er im oberen Bereich des Wettbewerbsumfeldes, für die schon als luxuriös zu bewertende Vollausstattung des Testmodells kommen allerdings noch einmal rund 2.000 Euro dazu. Aber hieß es so treffend in der Zigarettenwerbung der Marke Atika im Jahr 1967 Es war schon immer etwas teurer, einen besonderen Geschmack zu haben.




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